Der “Fall Lunze” im Sommertheater - und (fast) alle klatschen Beifall. Was war geschehen: Einer warf ein Steinchen, ein anderer griff es zur Quotensteigerung in seinem “Recht-unterhaltsam-Blog” dankbar auf, um es seinen willfährigen Kommentatoren zum Fraß vorzuwerfen; wieder ein anderer zeigte sich gar investigativ und ein letzter hetzte (wie schon hier und hier) dem nunmehr in Schwung gekommenen Zug keuchend hinterher - noch aufzuspringen in der Hoffnung, etwas von der Publicity abzubekommen. Ekel erregendes Sommertheater - inhaltlich wertlos, menschlich fragwürdig, allein Profilneurotikern Nahrung gebend, einfach beschämend. Einzig Dennis Sevriens bewahrte das Augemaß für ein respektvolles Miteinander und griff zu Recht mit deutlichen Worten jene Geschehnisse auf.
All jene Worte schrieb ich i.ü. gestern einem der Beteiligten (selbstredend seichter und ein wenig weichgespült) als Kommentar zum fraglichen Beitrag in dessen Blog. Der mochte diese Meinungskundgabe freilich nicht lesen und löschte kurzerhand den betreffenden Kommentar. Sein gutes Recht. Gelöscht ist allerdings nicht vergessen: Daher nun an dieser Stelle meine kleine Replik auf Rechtsanwalt Kiefer’s rhetorische Frage: ”Herr Lunze was soll das ?”
Was interessiert es die Welt, lieber Herr Kiefer, was Sie von dieser Geschichte halten?! Besagter Webseitenbetreiber hat das einzig Richtige in dieser Situation getan. Hätte er an dieser Stelle nicht die Notbremse gezogen, so wäre ihm ohne Zweifel der sich gerade wieder einmal formierende Mob zuvor gekommen und hätte mit aller Hingabe die nächsten zwei Wochen eine neue Sau durch Kleinblogersdorf getrieben. Die üblichen Verdächtigen hätten - sonst i.ü. zu keiner diskussionstragenden Meinungskundgabe in Ihren “Blogs” fähig - der Welt wieder einmal gezeigt, wie gut die “Selbstreinigungskräfte” des Netzes funktionieren. Mit kleinen dünnen Stimmchen hätten sie das Schauspiel dirigiert - nicht eher zufrieden, bis besagte Sau an Herzschwäche gestorben wäre.
Was mich an solchen Begebenheiten immer wieder erstaunt, ist der Umstand, dass es nicht etwa pubertierende, den menschlichen Reifeprozess noch vor sich sehenden Zeitgenossen sind, die sich mangels einer entsprechenden Lebenserfahrung an solchen “Spielchen” beteiligen, sondern vielmehr die vermeintlich gebildeten, toleranten, dem Neuen gegenüber aufgeschlossenen und auch sonst sehr eloquenten Menschen, die mit einer, in meinem Augen herablassenden, Selbstgefälligkeit derartige Anlässe immer wieder zur eigenen “Profilbildung” nutzen.