Fährt man fachlich zweigleisig, so ist die Quellenrecherche für wissenschaftliche oder berufliche Arbeiten bisweilen mit viel Laufarbeit verbunden. In manchen Universitätsstädten liegen zwischen den Fachbereichsbibliotheken der Juristen und Informatiker bisweilen etliche Kilometerchen. Schön, wenn da die Segnungen des Informationszeitalters gerade in Bibliotheken so zügig Einzug halten.
Auch die hiesige Unibibliothek ist in dieser Hinsicht erfreulich aktiv. Nicht nur, dass man als Jurist seit Jahren recht problemlos in WestLaw, LexisNexis, Beck Online und Juris recherchieren kann - auch als Informatiker greift man auf Springerlink, Safaribooks und ähnliche Datenbanken ohne Weiteres zu. Seit kurzem ist nunmehr auch das Onlineangebot “sciencedirect” der Reed Elsevier-Verlagsgruppe im Campusnetz verfügbar und eröffnet gerade für den Bereich der Informationssicherheit den Zugang zu einer Vielzahl von Referenzpublikationen.
Elsevier? Das waren doch die mit der munteren Lobbyistentruppe, die dem Gesetzgeber i.R. der Novellierung der geistigen Schutzrechte gern mal beratend unter die Arme greift. Und eben auch diejenige Verlagsgruppe, die mit dem Geldschaufeln gar nicht so schnell hinterkommt, wie sich die Knete auf den Konten anhäuft ihrer Preispolitik immer so aufdringlich in der Presse breitgetreten wird.*** Aber klar - schließlich agiert man ja auf einem extrem einseitig ausgerichteten Nachfragemarkt. Da müssen vierteljährlich erscheinende Fachzeitschriften im Jahr schon mal so viel wie ein Kleinwagen (mit Extras) kosten. Außerdem schreien die Unis ja immer nach Exzellenzinitiativen. Und was strahlt mehr Exzellenz aus, als die von Elsevier diktierten Preise bezahlen zu können?
Nun bin ich mal gespannt, ob nach Ablauf des Testzeitraums das Angebot weiterhin verfügbar bleibt. Zumindest die hiesige Dresden International University (DIU) möchte ja gern als Leuchtturm über die Wissenschaftslandschaft strahlen. Geld sollte dann ja keine Rolle spielen. Kann man ja mit den Millionen finanzieren, die durch die Schließung des grundständigen Studiengangs der Rechtswissenschaften freigestellt wurden. Ach nein - ich vergaß - die fließen ja jetzt in das neu eröffnete Jura-Bachelor/Master-Studienprogramm. Sorry - bei den vielen Reformvorhaben hier an der TU kann man schon mal den Überblick verlieren.
*** So hat Elsevier beispielsweise im SMT-Bereich (Science, Medical & Technology) im Zeitraum von 1993 bis 2003 den Preis einzelner seiner Zeitschriften vervier- und verfünffacht und im Jahre 2005 eine Umsatzrendite von ärmlichen 31% erwirtschaftet (Vgl. hierzu auch Ref #1 sowie Ref #2).