Die junge Dame gegenüber kommt gegen Abend gehetzt im Business Dress in die Bib und stapelt eine Menge Literatur vor sich auf - Literatur, die man gemeinhin in juristischen Bibliotheken nicht unbedingt in den Bestsellerlisten führt. Schlussfolgerung: Entweder eine äußerst motivierte Jungjuristin, die neben ihrem Job an einer ziemlich abgefahrenen Diss feilt oder eine bedauernswerte Referendarin, die einem Ausbilder mit dem Hang zur Perversion zugeteilt wurde. Alles falsch. BA-Studentin in der Schlussphase ihrer Diplomarbeit, die sie innerhalb von zwei Monaten im üblichen Uni/FH-Umfang neben ihrem Job fertigzustellen hat. Das Thema der Diplomarbeit würde selbst gut examinierten Volljuristen einiges an Gehirnschmalz abverlangen.
Wenngleich der gemeine Volljurist sich gern als Krönung der Bildungsevolution betrachtet: Solche Erlebnisse lassen die liebevoll gepflegten und gemeinhin pauschalierten Vorurteile über die Qualität anderweitiger Bildungsabschlüsse ziemlich dümmlich aussehen. Mea culpa.