Recht Dieses Weblog von Michael Bunzel widmet sich folgenden (juristischen) Themenbereichen: Informationstechnik und Informationssicherheit Darüber hinaus finden sie hier auch Informationen zu folgenden Themenbereichen der IT-Sicherheit:
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2 filed @ Monday, February 11, 2008 by mascha     4

Mensch Schlüter, Sie alte Nase …

Der Qualm um das Nichtraucherschutzgesetz ist schon (fast) verzogen und doch sind die ewig Gestrigen immer noch nicht ausgestorben: Nun hat es doch tatsächlich den Musikwissenschaftler Wolfgang Schlüter erwischt. Offenkundig aus einer länger andauernden Winterlethargie erwacht, mimt er in einem Traktat für die Freiheit in der Online-Ausgabe der Welt vom 9. Februar 2008 doch tatsächlich den Wahrer bürgerlicher Grundfreiheiten. Mit einem Wortschwall epischen Ausmaßes ergießt Schlüter über seine Leser ein Sammelsurium von wahrhaft bedeutungsschwangeren Worten, die für ihn offenkundig auch nur solche zu sein scheinen - ohne tieferen Sinn, allein der Beliebigkeit seiner Existenz im Wesen verpflichtet. Da finden sich “Demokratie” und “bürgerliche Grundfreiheiten” ebenso, wie “Kulturverlust” oder der Blick auf Rousseau und Platon als die Antagonisten des selbstbestimmten individuellen Lebensstils. Auch darf eine Reminiszenz auf ein paar “undeutsche” Begrifflichkeiten aus der Nazizeit nicht fehlen, denn zum einen verfangen diese immer in einem Land, in dem der Begriff des Nationalismus auf ewig verbrämt ist und zum anderen ist History-Bashing immer en vogue wenn man “ganz offenkundig” etwas als gesellschaftlichen Konsens festgestellt wissen will.

Freilich mischt Schlüter als selbsterkannter geistig lndividuierter dieses Potpourri nicht etwa deshalb an weil er sich Sorgen über den Zustand unserer Gesellschaft macht; weil es ihm stinkt, dass in unserer hochmodernen deutschen Wohlstandsgesellschaft Menschen hungern, der Analphabetismus immer mehr zunimmt oder Kinder wegen elterlicher Existenzängste mißhandelt und getötet werden. Auch nutzt Schlüter sein Podium nicht etwa, um der staatlichen Ausspitzelung der Bürger, dem schleichenden Verlust prozessualer Grundfreiheiten oder sonstiger wahnwitziger Sicherheitsfantasien der Politikerkaste mit deutlicher Stimme entgegen zu treten. Nein! Schlüter geht es um wesentlich wichtigere Dinge, die in ihm das Gefühl des ohnmächtigen Zorns erwecken: Schlüter geht es um sein gepflegtes Pfeifchen, welches ihm abzusprechen die staatliche Hoheitsgewalt im Schlepptau mit den unsäglichen Wissenschaftsgläubigen in letzter Konsequenz nunmehr angetreten ist.

Mensch Schlüter - lassen Sie doch zukünftig Essays von Leuten schreiben, die nicht so platt daherkommen. Was kann denn bitte die Menschheit dafür, dass Sie in Ihrer eingeschränkten Welt die Empire hinsichtlich der Sterblichkeitsrate von (Nicht-)Rauchern nur aus der personellen Kontinuität von Höfers Frühschoppen oder Ihrem privaten Bekanntenkreis schlussfolgern können?  Schreiben Sie mal wieder was Prosaisches. Das können Sie. Und das wollen Ihre Leser auch lesen. Nichts weiter. Versprochen!


   
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2 Kommentare     4
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  1. Wieder einmal sehr schön geschrieben und zu lesen, wann kommt Ihre regelmäßige Kolumne in der Zeit? wink

    Posted by @ 02/11, 02:25 PM
  2. Obwohl - so ganz falsch liegt er doch nicht, oder?

    Posted by RA JM @ 02/11, 03:54 PM
  3. @ 1: Danke. Aber wer will schon in die Zeit, wenn man auf diese Weise “Grassroot"-Journalismus betreiben kann ;o) BTW: Allein schon wegen der absurden Einvernahme meines obigen Geschreibsels als “journalistische Leistung” würden mich Hans-Ulrich Jörges und Michael Konken sicher sofort per Dekret aus dem DJV ausschließen wollen - wenn ich es denn überhaupt geschafft hätte, die Qualitätsselektion vor Aufnahme zu überstehen, denn wie man aus der Historie des Blogs ersehen kann, ist meine Reputation ja schon mehr als versaut ... Zum gespannten Verhältnis zwischen “Journalisten” und anderen Hobby-Schreiberlingen gibt es i.Ü. eine interessante Diskussion anläßlich einer Podiumsveranstaltung zum Thema „Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www“ vom November letzten Jahres in Berlin, die (ursprünglich mal als Videocast via djv.de erreichbar, dort jedoch entfernt) auch als MP3-Stream unter folgender URL verfügbar ist: http://tinyurl.com/yozwj5

    Im übrigen verweise ich an dieser Stelle immer wieder gern auf Herrn Knüwer von Indiskretion Ehrensache:
    - http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1650
    - http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1580

    @ 2: Nun - ich sag mal so: Die Verkennung der Relevanz im Einzelnen führt hier sehr schnell zur umfänglichen Zielverfehlung grin. Eines Herunterhechelns der Pros und Contras eines Schutzgesetzes für Nichtraucher bedarf es an dieser Stelle dann gar nicht mehr.

    Letztlich kann ich allerdings nicht verhehlen, dass aus meiner Sicht die Personengruppe der Raucher den einzig legitimen Ansatzpunkt zur Diskussion über ein sozialverträgliches Frühableben bietet ... Augenscheinlich sehen das die Volkswirtschaftler aller bisherigen Bundesregierungen i.Ü. auch so, denn letztlich widerspiegelt die Art des politischen Umgangs mit dem Problem die unwiderlagbare Erkenntnis, dass fiskalische den gesundheitspolitischen Interessen regelmäßig vorgehen im Sinne von: “Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten muss ein Raucher in seinem möglichst kurzen Leben möglichst viel Tabak konsumieren, um sodann im Alter zwischen 50 und 60 möglichst zügig an einem schnell wachsenden Lungenkarzinom zu sterben, um auf diese Weise das (noch) auf dem Soldiarprinzip beruhende Gesundheitssystem möglichst nachhaltig zu entlasten.” Gute Beispiele hiefür:
    - die nur schrittweise Steigerung der Steuern für Tabalkerzeugnisse in den Jahren 2004-2006, um möglichst “Ausweich- und Vermeidungseffekte” zu mindern und das Konsumniveau konstant zu halten (auf Intervention des unionsdominierten Bundesrats, die Bundesregierung hatte demgegenüber ursprünglich eine spürbaren Erhöhung der Tabaksteuer angedacht);
    - die wirtschaftsverträgliche Gewährung von Subventionen auf Tabakanbau (erst mal bis 2010 - aber wer die EU-Agrarsubventionspolitik kennt, wird nicht an das Ende in 2010 glauben)

    Ich denke jedoch nicht, dass man sich als passiv Betroffener (und auch als Raucher) diese vorgenannte Argumentation zu eigen machen muss. Wir sind schließlich in der vorteilhaften Position, nicht allein aus politischem Kalkül Meinungen bilden und Entscheidungen treffen zu müssen. Das halten wir ja auch so beim Thema “Sicherheitspolitik” (nicht wahr, JM wink ). Warum sollte es beim Rauchen anders sein? Nur, weil ein paar Leute ihr Suchtverhalten nicht im Griff haben, sollen andere sterben? Macht doch kein Sinn - oder?

    Posted by mascha @ 02/12, 12:24 PM
  4. Zumal das eigenverantwortlich selbstgesetzte Risiko beachtlicher Gesundheitsschäden durch Rauchen auch endlich in höheren Krankenversicherungsbeiträgen der Selbstschädiger Berücksichtigung finden muss.

    Posted by @ 02/13, 05:06 PM
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