Die ersten Tracks sind gelaufen und wie jedes Jahr startete der C³ abwechslungsreich und mit dem Anspruch, den Zuhörern verschiedentliche und vorallem kurzweilige Sichtweisen auf den modernen Technikeinsatz zu bieten. Die Highlights des ersten Tages waren insbesondere die Beiträge von Constanze Kurz und Frank Rieger zum Einsatz von NEDAP-Wahlcomputern in Deutschland; die Darstellung von Julius Mittenzwei, Erdgeist und Andreas Lehner zu den technischen und rechtlichen Implikationen des Einsatzes von TOR-Netzwerken sowie die Schilderungen von Anne Roth, der Lebensgefährtin des ehemals inhaftierten Berliner Soziologen Andrej Holm, zum ganz persönlichen Umgang mit staatlicher Überwachung i.R. der Ermittlungen des Staatsschutzes gegen ihren Lebensgefährten.
Als besonders brilliant empfand ich persönlich den Beitrag von Drew Endy zum Thema “Programming DNA”: Nicht nur, dass Drew es verstand, das äußerst komplexe Thema mit einer Anschaulichkeit zu referieren, die es sogar mir als genbiologisch völlig unbedarftem Zeitgenossen ermöglichte, die Funktionsweise eines “DNA-Printers” in groben Anätzen zu verstehen. Nein - er machte dies auch in der für einen US-amerikanischen Wissenschaftler typisch locker unterhaltsamen Vortragsweise (Beispiel: “Es ist leichter, im Netz eine detaillierte Beschreibung eines Nahrungsreplikators der Enterprise als eine vergleichbare Beschreibung eines DNA-Printers zu finden.")
Der nach meinem Dafürhalten mit Abstand mieseste Beitrag des ersten Tages stammte dagegen von Marcell Dietl alias skyout, der als Mitglied der sog. VX-Scene seinen Zuhörern einen kleinen Einblick in die von Ideologie und moralischen Anstand geprägte “Arbeit” eines Virenschreiberlings gewähren wollte. Inhaltlich enthielt der Beitrag keinerlei Neuigkeiten* - er diente wohl im Wesentlichen dem Hätscheln des eigenen Egos und war im Ergebnis eine bloße Ansammlung von Buzzwords. Die sich dem Beitrag anschließende Fragerunde machte letztlich deutlich, was das Auditorium von den feuchten White-Hat Träumen des 18-Jährigen hielt. Sinnhafte Antworten auf die z.T. sehr kritischen Fragen der Zuhörer blieb der Vortragende regelmäßig schuldig. Eine gute Zusammenfassung der Eigenpräsentation des Vortragenden bietet bspw. future:plom.
* Der interessierte Leser sei diesbezüglich vielmehr auf die Unmenge von e-zines sowie die wenigen Bücher verwiesen, die zu diesem Thema veröffentlich wurden - so u.a. Peter Szor, The art of computer virus research and defense, Addison Wesley 2005; Eric Filiol, Computer viruses: from theory to applications, Springer Verlag 2005 oder aber John Aycock, Computer Viruses and Malware, Springer Verlag 2006. Eine gute Einführung bietet i.Ü. auch das CEH Modul “Writing Virus Codes”.